Discussion:
Gewichtszunahme durch Antidepressiva verhindern?
(zu alt für eine Antwort)
Franz Müller
2005-02-13 08:53:29 UTC
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Hallo,

ich leide unter einer gerneralisierten Angststörung, die im Moment mit 100mg
Imipramin 3Tagsüber und 75mg Trimipramin nachts behandelt wird, es ist die
zweite Behandlung mit Psychopharmaka. Während der ersten Behandlung hatte
ich fast 30 Kg zugenommen und war damit schwer adipös.
Ich habe es während der letzten 20 Monate nun geschafft, durch eine
Reduktionsdiät ungerfähr ein Kilogramm pro Monat abzunehmen, was eine
ziemliche Mühe war und ich war auf einem guten Weg, mein "Wohlfühlgewicht"
von 105 Kilogramm wieder zu erreichen und vielleicht sogar das bereits vor
der Beahndlung vrohandene Übergewicht loszuwerden.
Mein Arzt meinte zwar, daß die Gewichtszunahme keine direkte Wirkung der
Medikamente sei, sondern durch den gesteigerten Apetit erfolge. Nun ist es
aber so, daß ich seit ich wieder die Medikamente nehmen muß, in ungefähr
fünf Wochen drei Kilo zugenommen habe, obwohl ich peinlich darauf geachtet
habe, nicht mehr zu essen als vorher.
(Mein berechneter Energiebedarf beträgt ca. 3300 KCal/Tag, ich nehme
ungefähr 2600KCal/Tag zu mir).

Vermutlich muß es da also doch einen direkten Effekt der Medikamente geben.
Weiß jemand, welcher Mechanismus die Gewichtszunahme verursacht, wenn es
doch nicht das vermehrte Essen alleine ist?

Vor allem: Kann man irgendwas dagegen tun? Es war eine ziemliche
Anstrengung, die 20 Kilo abzunehmen, das möchte ich jetzt ungern verlieren,
insbesondere weil Sport und Bewegung auch wirksame Mittel bei Angt und
Depression sind, was ganz gut klappt, seit ich wieder abgenommen habe. Wenn
ich wieder so stark zunehmen sollte, werde ich wieder derart Bewegungstrräge
werden, daß eine vernünftige Bewegungstherapie nicht mehr möglich ist.
Außerdem verstärkt das Übergewicht signifikant die depressive Seite meiner
Erkrankung, weil sie die damit einhergehende Passivität stark fördert. Man
kann sagen, daß das Gewichtsproblem ungefähr ein Drittel des Positiven
Effektes der Medikamente wieder zu nichte macht.

Weiß mir vielleicht jemand einen Rat?

Gruß,
Franz Müller
Carla Bertram
2005-02-13 10:08:03 UTC
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"Franz Müller" <***@gmx.de> tippte

Hallo Franz,

[...]
Post by Franz Müller
Mein Arzt meinte zwar, daß die Gewichtszunahme keine direkte Wirkung der
Medikamente sei, sondern durch den gesteigerten Apetit erfolge. Nun ist es
aber so, daß ich seit ich wieder die Medikamente nehmen muß, in ungefähr
fünf Wochen drei Kilo zugenommen habe, obwohl ich peinlich darauf geachtet
habe, nicht mehr zu essen als vorher.
(Mein berechneter Energiebedarf beträgt ca. 3300 KCal/Tag, ich nehme
ungefähr 2600KCal/Tag zu mir).
Vermutlich muß es da also doch einen direkten Effekt der Medikamente geben.
Weiß jemand, welcher Mechanismus die Gewichtszunahme verursacht, wenn es
doch nicht das vermehrte Essen alleine ist?
[...]

Mir ist mit Seroxat dasselbe passiert. Auch mein Arzt meinte, dass die
Gewichtszunahme vom gesteigerten Appetit (also mehr Nahrungsaufnahme)
kam. Und auch ich habe beim 2. Mal SEHR darauf geachtet, dass ich
nicht mehr wie 1800 Kal. am Tag zu mir genommen habe. Trotzdem hatte
ich wieder 15 kg zugenommen. Dieses Thema verfolge ich schon seit
einiger Zeit. Bisher ist aber niemand auf andere Ursachen gekommen -
leider. Ich glaube, es ist an der Zeit, dass dies mal näher untersucht
wird. Wir sind nicht die einzigen, denen das passiert!

Schönen Gruss
Carla
sven
2005-02-13 10:43:59 UTC
Permalink
Hallo Carla,
Post by Carla Bertram
Mir ist mit Seroxat dasselbe passiert. Auch mein Arzt meinte, dass die
Gewichtszunahme vom gesteigerten Appetit (also mehr Nahrungsaufnahme)
kam. Und auch ich habe beim 2. Mal SEHR darauf geachtet, dass ich
nicht mehr wie 1800 Kal. am Tag zu mir genommen habe. Trotzdem hatte
ich wieder 15 kg zugenommen.
Laut Beipackzettel auch wieder als Nebenwirkung angegeben die
Gewichtzunahme.


Mit freundlichen Grüßen

Sven * www.sven73.de *
sven
2005-02-13 10:37:37 UTC
Permalink
Hallo Franz,
Post by Franz Müller
Mein Arzt meinte zwar, daß die Gewichtszunahme keine direkte Wirkung der
Medikamente sei, sondern durch den gesteigerten Apetit erfolge
Entweder hast Du das falsch verstanden, oder der Arzt kennt den
Beipackzettel des Medikamentes nicht. Nebenwirkung bei den Wirkstoff
Trimipramin ist laut Beipackzettel auch die Gewichtzunahme.

Zitat:" ....Sehr häufig (>10%): vor allem zu Behandlungsbeg. u. vorübergeh.
Müdigk., Schwindel, Tremor, Krampfanfälle, Schwitzen, Myoklonien, .....
bei ält. Pat. Stimmungschwank. u. Verwirrtheitszustände,
Gewichtszunahme...."
Post by Franz Müller
(Mein berechneter Energiebedarf beträgt ca. 3300 KCal/Tag, ich nehme
ungefähr 2600KCal/Tag zu mir).
Der Energiebedarf ist u.a. abhängig vom Alter, beinflussende Faktoren zb.
Medikamente, die Intensität der körperlichen Arbeit etc. Im Prinzip kann
der Kalorienbedarf von 2600 schon zu gross sein. Man müsste Dich
genauerer "kennen" um nochmals den Bedarf neu zu berechnen bzw.
zu optimieren.
Post by Franz Müller
Vor allem: Kann man irgendwas dagegen tun?
Du könntest versuchen Dir ein anderes Medikament verschreiben zu
lassen, ggf. nochmalige Reduktionsdiät mit geringerer Kalorienzufuhr wäre
meine persönlicher Tip. Wenn Du weitere Fragen melde dich ruhig unter
u.g. HP.

Viel Glück :)

Mit freundlichen Grüßen


Sven * www.sven73.de *
Franz Müller
2005-02-13 21:44:57 UTC
Permalink
Hallo,
Post by sven
Post by Franz Müller
Mein Arzt meinte zwar, daß die Gewichtszunahme keine direkte Wirkung der
Medikamente sei, sondern durch den gesteigerten Apetit erfolge
Entweder hast Du das falsch verstanden, oder der Arzt kennt den
Beipackzettel des Medikamentes nicht. Nebenwirkung bei den Wirkstoff
Trimipramin ist laut Beipackzettel auch die Gewichtzunahme.
Na, ja, eine Nebenwirkung bleibt´s ja auch, wenn der Mechanismus über eine
Apetitsteigerung läuft.
(Was auchder Fall ist. Man bekommt schon bestialischen Hunger.) AFAIK gehen
die Meinungen, warum man fett wird, aber noch auseinander.
Mich würde interessieren, welcher Mechanismus hinter der offenbar von
vermehrter Nahrungsaufnahme unabhängigen
dickmachenden Wirkung steckt.
Post by sven
Post by Franz Müller
(Mein berechneter Energiebedarf beträgt ca. 3300 KCal/Tag, ich nehme
ungefähr 2600KCal/Tag zu mir).
Der Energiebedarf ist u.a. abhängig vom Alter, beinflussende Faktoren zb.
Medikamente, die Intensität der körperlichen Arbeit etc.
Abgesehen von den Medikamenten steckt in der Zahl alles drin.
Post by sven
Im Prinzip kann
der Kalorienbedarf von 2600 schon zu gross sein. Man müsste Dich
genauerer "kennen" um nochmals den Bedarf neu zu berechnen bzw.
zu optimieren.
Kann ein Arzt so eine Optimierung durchfühern? Gibt es Fachärzte für so
etwas?
Post by sven
Post by Franz Müller
Vor allem: Kann man irgendwas dagegen tun?
Du könntest versuchen Dir ein anderes Medikament verschreiben zu
lassen, ggf. nochmalige Reduktionsdiät mit geringerer Kalorienzufuhr wäre
meine persönlicher Tip. Wenn Du weitere Fragen melde dich ruhig unter
u.g. HP.
Na, ja, ich hab Samstag erstmal noch mehr Rohkostgemüse eingekauft und
versuche jetzt,
eine von den verbliebenen beiden Mahlzeiten dadurch zu ersetzten. Mal sehen,
wie lange
ich es mit Karotten und Stangensellerie als Abendessen aushalte :-(-
Post by sven
Viel Glück :)
Vielen Dan, kann ich brauchen.

Gruß,
Franz
Sabine Wolf
2005-02-14 14:38:48 UTC
Permalink
Franz Müller schrieb
Post by Franz Müller
Mich würde interessieren, welcher Mechanismus hinter der offenbar von
vermehrter Nahrungsaufnahme unabhängigen
dickmachenden Wirkung steckt.
Wenn der Körper durch angstlösende Medikamente nicht mehr so
unter Anspannung und Streß steht, dürfte er schon dadurch weniger
Energie verbrauchen, daß der ganze Organismus nicht mehr so
hochtourig laufen muß, weil er nicht mehr im Zustand ständiger
Fluchtbereitschaft gehalten wird (die natürliche Reaktion auf
Angst ist ja Weglaufen).

Sabine
Ralf Kusmierz
2005-02-13 11:36:52 UTC
Permalink
X-No-Archive: Yes
Post by Franz Müller
Vermutlich muß es da also doch einen direkten Effekt der Medikamente geben.
Weiß jemand, welcher Mechanismus die Gewichtszunahme verursacht, wenn es
doch nicht das vermehrte Essen alleine ist?
Das Gewicht bzw. dessen Änderung ist *immer* eine Frage des
Verhältnisses von Zufuhr zu Bedarf. Wenn Du trotz gleichbleibender
Energie- bzw. Nährstoffzufuhr plötzlich wieder zunimmst, dann müßte
Dein Bedarf eben abgenommen haben - möglicherweise durch mehr Schlaf
und weniger Bewegung.


Gruß aus Bremen
Ralf
--
R60: Substantive werden groß geschrieben. Grammatische Schreibweisen:
adressiert Appell asynchron Atmosphäre Autor bißchen Ellipse Emission
gesamt heraus Immission interessiert korreliert korrigiert Laie
nämlich offiziell parallel reell Satellit Standard Stegreif voraus
Ursula Winkler
2005-02-14 10:58:35 UTC
Permalink
Post by Ralf Kusmierz
Post by Franz Müller
Vermutlich muß es da also doch einen direkten Effekt der Medikamente geben.
Weiß jemand, welcher Mechanismus die Gewichtszunahme verursacht, wenn es
doch nicht das vermehrte Essen alleine ist?
Das Gewicht bzw. dessen Änderung ist *immer* eine Frage des
Verhältnisses von Zufuhr zu Bedarf. Wenn Du trotz gleichbleibender
Energie- bzw. Nährstoffzufuhr plötzlich wieder zunimmst, dann müßte
Dein Bedarf eben abgenommen haben - möglicherweise durch mehr Schlaf
und weniger Bewegung.
Eine andere Moeglichkeit gaebs auch noch: die vermehrte Einlagerung von
Fluessigkeit. Kaeme das bei Antidepressiva ev. auch in Betracht?
Roland Trute
2005-02-13 17:18:23 UTC
Permalink
Post by Franz Müller
Hallo,
ich leide unter einer gerneralisierten Angststörung, die im Moment mit 100mg
Imipramin 3Tagsüber und 75mg Trimipramin nachts behandelt wird, es ist die
zweite Behandlung mit Psychopharmaka.
[schnipp]
Recherchiere doch mal nach "Trevilor"(Handelsname) bzw. venlafaxine
(Substanzname). Trevilor, ein modernen Antipressiva, hat die Zulassung
für generalisierte Angststörung (zumindest von der FDA soweit ich weiß),
ist nebenwirkungsarm (IMMER Retardform nehmen und ggf. mit 35mg für die
ersten paar Tage anfangen), außerdem "neuer" als das, was Dir
verschrieben wurde, und Gewichtzunahme ist soweit ich weiß nicht üblich.
Am besten mit Deinem Arzt bzw. besser Psychiater des Vertrauens
besprechen.

Roland
Franz Müller
2005-02-13 21:38:10 UTC
Permalink
Hallo,
Post by Roland Trute
Recherchiere doch mal nach "Trevilor"(Handelsname) bzw. venlafaxine
(Substanzname). Trevilor, ein modernen Antipressiva, hat die Zulassung
für generalisierte Angststörung (zumindest von der FDA soweit ich weiß),
ist nebenwirkungsarm (IMMER Retardform nehmen und ggf. mit 35mg für die
ersten paar Tage anfangen), außerdem "neuer" als das, was Dir
verschrieben wurde, und Gewichtzunahme ist soweit ich weiß nicht üblich.
Am besten mit Deinem Arzt bzw. besser Psychiater des Vertrauens
besprechen.
danke für den Tip, aber mit SSRI habe ich leider bereits schlechte
Erfahrungen gemacht,leider gehöre ich zu den Menschen, bei denen SSRI zu
einer Abhängigkeit führen. Ich hatte damals ein Jahr mit den Absetzsymptomen
(Schlafstörungen, Zaps, Depressionen, Extrasystolen etc.) zu tun, die zu
einem nenenswerten Teil für meinen jetzigen Rückfall verantwortlich sein
dürften.

Gruß,
Franz
Uwe Hercksen
2005-02-15 08:56:52 UTC
Permalink
Post by Franz Müller
Vermutlich muß es da also doch einen direkten Effekt der Medikamente geben.
Weiß jemand, welcher Mechanismus die Gewichtszunahme verursacht, wenn es
doch nicht das vermehrte Essen alleine ist?
Hallo,

vermutlich dämpfen diese Medikamente so das sich der Patient weniger
bewegt und dadurch weniger Kalorien verbraucht, bei gleicher
Nahrungszufuhr also leider zunimmt.
Vielleicht hilft dagegen die Kombination aus weniger essen und mehr bewegen.

Bye

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